Was Sie wissen und berücksichtigen müssen, wenn Sie den Einsatz und Betrieb eines Stirlingmotors erwägen oder planen.
Verlieren Sie Ihr Vorurteil gegen den Stirlingmotor -
oder vermeiden Sie seine Überbewertung!
Die Grundlagen
Der Stirlingmotor ist eine Wärmekraftmaschine, die aus dem
Temperaturgefälle des aufgeheizten Teiles der Maschine zum gekühlten
Teil, mechanische Arbeit erzeugt.
Dabei wird eine in der Maschine eingeschlossene Gasmenge, die
sich nicht verbraucht, im Takt der Drehzahl des Stirlingmotors
aufgeheizt und wieder abgekühlt. Bei einfachen Stirlingmotoren ist
dieses „Arbeitsgas“ Luft, sonst Helium oder Wasserstoff. Die durch das
Aufheizen und Abkühlen im Arbeitsgas entstehenden Druckänderungen
(heißes Gas dehnt sich aus, kaltes zieht sich zusammen) werden von
einem Kolben, der in der Regel über ein Pleuel eine Kurbelwelle
antreibt, in mechanische Arbeit umgewandelt.
Modellstirlingmotoren und Motoren mit kleiner Leistung
arbeiten mit atmosphärischem Druck des Arbeitsgases. Bei
Leistungsstirlingmotoren wird der Arbeitsgasdruck gesteigert. Der ST 05
G wird mit 10 bar Luft betrieben. Der Solo V 161 arbeitet mit bis zu
150 bar Helium.
Die Antriebsenergie wird dem Stirlingmotor als Wärme von außen
durch die Zylinderwand des Erhitzers zugeführt. Der Teil der
aufgenommenen Wärme, der bedingt durch den Wirkungsgrad der Maschine
nicht in mechanische Energie umgewandelt wurde, muss vom Kühler an der
kalten Seite des Stirlingmotors abgeführt werden und kann zum
Warmwasser bereiten und heizen verwendet werden.
Der Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad eines Stirlingmotors ist die
abgegebene mechanische Leistung geteilt durch die als Wärme
aufgenommene Leistung. Der Wirkungsgrad der zur Wärmeerzeugung und
Zuführung erforderlichen Maschinenteile ist in dieser Angabe nicht
enthalten.
Der Wirkungsgrad ist bei Niedertemperaturstirlingmotoren 2 -
5%. High Tech Stirlingmotoren erreichen Werte von über 50% und sind mit
Dieselmotoren vergleichbar.
Der Wirkungsgrad eines Stirlingmotor getriebenen Generators
zur Stromerzeugung aus Biomasse, Biogas oder Sonnenwärme setzt sich aus
mehreren Einzelwirkungsgraden zusammen. Es sind dabei folgende Werte
möglich:
Wirkungsgrad der Feuerung zur Beheizung eines Stirlingmotors
ohne Luftvorwärmung: Ein einfacher Ofen 30%. Kachelofen 50%. Heizkessel
60%. Ein für den STM optimierter Hackschnitzel- oder Pelletbrenner mit
Luftvorwärmung 90%.
Beim Betrieb mit Sonnenwärme: Direkte Bestrahlung mittels Flachkollektor 50%. Parabolspiegel, der Sonne nachgeführt 90%.
Der physikalisch bedingte Thermodynamische Wirkungsgrad
(Carnot), der sich aus dem Temperaturgefälle zwischen heißem und kaltem
Arbeitsgas ergibt: Bei Niedertemperatur-STM im Bereich 20%. Bei STM mit
einem Temperaturgefälle von 800°K und höher sind es 70%.
Thermischer Wirkungsgrad des Stirlingmotors bedingt durch
Wärmeleitungs- und Wärmeverluste, des Regenerators und des Kühlers.
Einfache STM 40%. High Tech STM 70% von Carnot.
Der mechanische Wirkungsgrad des Motors: Einfache Stirlingmotoren ca. 70%. High Tech STM erreichen 95%.
Am Schluss der Kette ist bei der Stromerzeugung auch der
Wirkungsgrad des Generators mit zu berücksichtigen. Dabei erreicht eine
KFZ Lichtmaschine im Drehzahlbereich eines einfachen Stirlingmotors mit
einem Keilriemen angebaut nicht eimal den Wert von 50%.
Für die Drehzahl optimal ausgelegte Synchrongeneratoren mit
hochwertigen Permanentmagneten bestückt erreichen dagegen einen
Wirkungsgrad von 90% bis darüber.
Werden die Einzelwirkungsgrade zur Ermittlung des
Gesammtwirkungsgrades alle multipliziert (dazu die Wirkungsgrade nicht
als %Werte einsetzen, sondern 100% = 1; 10% = 0,1; 1% = 0,01), bleibt
vom Energieinhalt des verfeuerten Energieträgers nicht mehr viel
hochwertige elektrische Energie übrig. Wird die mit dem Kühlwasser
gelieferte Wärme, es sind „Kühlwasser“-temperaturen bis 50° C möglich
und auch die Wärme die noch im Abgas der Feuerung enthalten ist, zur
Warmwasserbereitung und Raumheizung verwendet, wird ein energetische
Wirkungsgrad von etwa 85% erreicht. Wir sprechen dann von
Kraft-Wärme-Kopplung mit einem Stirlingmotor-Blockheizkraftwerk (BHKW).
Die großen Schwankungen der Einzelwirkungsgrade der Teile, die
zum Betrieb eines Stirlingmotors erforderlich sind, zeigen, dass zur
Erzielung eines guten Gesamtwirkungsgrades alle Teile optimal ausgelegt
und aufeinander abgestimmt sein müssen.
Der Einsatz
Es ist zwar möglich, einen Stirlingmotor in einen
Kachelofen oder einen vorhandenen Heizkessel einzubauen, das Ergebnis
ist aber dann meistens nur bescheiden. Und noch dazu verliert der Ofen
oder der Heizkessel die Bauartzulassung. Ihr Kaminkehrer macht Ihnen
dann Schwierigkeiten.
Beim Einbau eines Stirlingmotors in eine bestehende Feuerung muss der
Erhitzerkopf des Motors direkt über der Feuerung eingebaut sein.
Grundsätzlich macht dieser Einbau aber wenig Sinn, weil der Kachelofen
oder der Heizkessel immer nur kurz voll geheizt werden. Der aufgeheizte
Kachelofen gibt seine Wärme langsam an den Wohnraum ab und der
Heizkessel ist so ausgelegt, dass das Heizungswasser in Außentemperatur
abhängigen Zeitintervallen jeweils nachgeheizt wird.
Der Stirlingmotor, der eine konstante Wärmezufuhr benötigt, würde
jeweils nur kurz laufen und dann wieder stehen bleiben, wenn die
Feuerung nachlässt oder ausgeht. Bei jedem Nachheizen des Kachelofens
oder wenn der Heizkessel wieder einschaltet, muss der Stirlingmotor
auch wieder neu gestartet werden, da er nicht von selbst anläuft.
Den Stirlingmotor in das Abgasrohr eines vorhandenen Ofens einzubauen,
macht überhaupt keinen Sinn, weil das Abgas im Ofen schon so weit
abgekühlt ist, dass der Erhitzerkopf des Stirlingmotors nicht mehr auf
die erforderliche Temperatur von mindestens 550 ° C aufgeheizt wird.
Ähnlich verhält es sich, wenn ein Stirlingmotor mit den
Abgasen eines Verbrennungsmotors oder der Abwärme von
Hochtemperaturbrennstoffzellen zur Anhebung des Gesamtwirkungsgrades
betrieben werden soll. Die Auspuffgase haben eine Temperatur von 500 -
600°C. Bei Brennstoffzellen ca. 450 - 500°C. Um Energie mit einem
Wärmetauscher mit praktikablen Abmessungen auf das Arbeitsgas des STM
mit einer Temperatur von mindestens 550°C zu übertragen, ist am
Wärmetauscher ein Temperaturgefälle von 100 - 200°C erforderlich. Ein
Stirlingmotor mit einer sich daraus ergebenden Arbeitsgastemperatur von
„nur“ ca. 400° C hat einen geringen Wirkungsgrad.
Die Anwendung
Um aus Biomasse, in der Regel aus Holz, direkt
Strom zu erzeugen, ist der Stirlingmotor die einzige Antriebsmaschine,
die das ohne Nebenaggregate, wie Holzvergaser, ermöglicht.
Voraussetzung ist jedoch eine optimal angepasste Feuerung, die den
Stirlingmotor gleichmäßig mit guter Regelbarkeit und nur wenig festen
Rückständen (Asche) in den Verbrennungsgasen beheizt.
Gut eignen sich Hackschnitzel zum Betrieb eines
Stirlingmotors. Optimal ist die Befeuerung mit Holzpellets in einem
speziell für den Stirlingmotor ausgelegten Pelletbrenner. Dabei sollte
zur Steigerung des Brennerwirkungsgrades die Verbrennungsluft für den
Pelletbrenner von den noch heißen Verbrennungsgasen, die den STM
Erhitzerkopf verlassen, vorgewärmt werden.
Der Betrieb eines Niedertemperatur STMs mit Sonnenwärme ist möglich.
Die erzielbare Leistung mit großflächigen Maschinen (2 qm) ist bei
niedrigen Drehzahlen nur gering. Es werden etwa 30 Watt bei ca. 30
Umdrehungen/Min. erreicht. ( ca. 2% )
Mit konzentrierter Sonnenwärme, die durch der Sonne
nachgeführte Hohlspiegel erzeugt wird, sind große Leistungen mit guten
Wirkungsgraden erzielbar. Es werden Wirkungsgrade von knapp 30 %
erreicht, die den Wirkungsgrad von Solarzellen (ca. 15 % ) erheblich
übertreffen. Der Aufwand, der für die Nachführung des Spiegels
getrieben werden muss, ist dabei nicht unerheblich.
Die Hohlspiegel die für diesen Einsatz zur Anwendung kommen müssen
einem Brennfleck mit einem Durchmesser von nur 3 bis 5 cm erzeugen. Für
den ST 05 G ist ein Hohlspiegel mit einem Durchmesser von etwa 2,4 m
erforderlich. Lamellenspiegel von Solarkochern sind nicht geeignet.
Diese Spiegel erzeugen einen Brennfleck von ca. 30 cm Durchmesser, der
auf das verwendete Kochgeschirr abgestimmt ist. Es können Glas- oder
Metallspiegel eingesetzt werden.
Das Betriebsverhalten
Im Unterschied zu Otto- oder
Dieselmotoren, die sofort nach dem Starten die volle Leistung liefern,
braucht der Stirlingmotor eine Aufwärm- und Anlaufzeit bis er startet
und seine Nennleistung abgibt.
Diese Zeit kann bei automatisch startenden Stirlingmotor BHKWs mit
Erdgasbetrieb (Solo V 161) einige Minuten betragen. Mit flüssigen
Brennstoffen (Whisper-Gen) wird diese Zeit, bedingt durch den Brenner,
der zum Aufbau einer sauberen Verbrennung auch eine gewisse Anlaufphase
benötigt, noch etwas länger.
Mit Festbrennstoffen bei einem vollautomatisch bestriebenem
STM-BHKW, mit Holzpellets befeuert, wird diese Anlaufzeit durchaus 15 -
20 Minuten betragen.
Diese Zeit resultiert aus dem Umstand, dass eine stabile Verbrennung
der Pellets mit gleichzeitiger Aufheizung des Abgaswärmetauschers für
die Verbrennungsluftvorwärmung herbeigeführt werden muss. Der
Erhitzerkopf des Stirlingmotors wird dabei gleichzeitig auf
Starttemperatur erhitzt.
Nach dem Erreichen der Starttemperatur (beim ST 05 G sind das ca. 300°C
am Erhitzerkopf) kann der STM durch eine Drehung über seinen
Kompressionspunkt gestartet werden.
Bei Motoren, die auf den maximalen Arbeitsgasdruck aufgeladen
sind, ist dazu ein enormes Drehmoment erforderlich. Um den Startvorgang
zu erleichtern, wird in der Regel der Arbeitsgasdruck zum Anlauf des
Motors abgesenkt (Solo V 161) oder die Kompression wird durch ein
Ventil kurzzeitig verringert.
Nach dem Anlaufen des STM steht noch nicht seine Nennleistung zur
Verfügung. Durch das in den Arbeitsgasräumen und Verbindungskanälen
hin-und herströmende Arbeitsgas müssen in der Anlaufphase erst alle
Teile des Stirlingmotors erst auf Betriebstemperatur gebracht werden,
bevor die Nennleistung erreicht wird.
Dieser Umstand bringt es auch mit sich, dass der STM nach dem
Abschalten der Wärmequelle noch einige Zeit weiter läuft und Leistung
abgibt. Während dieser Zeit wird die in den Teilen des Motors
gespeichterte Wärme bis zum Stillstand der Maschine verbraucht.
Eine Schnellabschaltung des STM kann durch eine Verringerung des
Arbeitsgasdruckes oder durch Aufhebung der Kompression herbeigeführt
werden. Dabei muss natürlich zur Vermeidung von Überhitzungschäden am
Erhitzerkopf gleichzeitig auch der Brenner schnell abgeschaltet werden.
Bei Festbrennstoffbefeuerung kann das Probleme bereiten.
Als Direktantriebsmaschine für Fahrzeuge ist der Stirlingmotor aus
diesem Grunde weniger geeignet und kann dem Otto- oder Dieselmotor kein
Konkurrent sein. Stirlingmotor-elektrische Antriebe mit einer
Pufferbatterie lassen sich dagegen realisieren.
Das Regelverhalten
Das Verhalten des STM bei Lastschwankungen
ist anders als das von Otto- und Dieselmotoren. Bei Otto- oder
Dieselmotor angetriebenen Stromerzeugern sind wir es gewöhnt, dass die
weitere Zuschaltung eines Verbrauchers sehr schnell, fast ohne Flackern
einer eingeschalteten Lampe, ausgeregelt wird.
Bei Motoren mit innerer Verbrennung (Otto und Diesel) wird zur Regelung
in einem Bruchteil einer Sekunde die Drosselklappe des Vergasers durch
einen Regler (meist ein mechanischer Fliehkraftregler) verstellt. Bei
Dieselmotoren die Drosselklappe und die Einspritzpumpe. Die für die
erforderliche höhere Leistung benötigte Brennstoffmenge steht dadurch
dem Motor ohne Verzögerung zur Verfügung und die Lastschwankung ist
sofort ausgeregelt.
Bei einfachen Stirlingmotoren wie dem ST05G wird zur Regelung
nur die Brennerleistung verändert. Daraus ergibt sich durch die
termische Trägheit der Maschine eine nur sehr langsame Ausregelung von
Lastschwankungen.
Bei größeren Stirlingmotoren wird zusätzlich zur Verstellung
der Brennerleistung der Arbeitsgasdruck in der Maschine zur Regelung
mit verändert (Solo V 161). Diese Leistungsregelung arbeitet schneller,
erreicht aber nicht die sehr kurzen Regelzeiten von Verbrennungsmotoren
mit innerer Verbrennung.
Stromerzeuger mit Stirlingmotoren allein sind nicht in der
Lage, schnell Strom zu liefern und kurzzeitige Lastschwankungen
auszuregeln. Bei Inselanlagen ist ein Batteriepuffer erforderlich. Wird
ein STM BHKW im Netzverbund betrieben, sind wie auch bei einer
Batteriepufferung, alle Eigenheiten des STM wie Startverhalten,
Regelbarkeit und Abschaltung ohne Bedeutung.
Bei diesem Einsatz ist der Stirlingmotor wegen seiner
Vielstofffähigkeit unschalgbar, d.h. er kann im Grunde mit jedem
Energieträger, insbes. vor allem mit nachwachsender Biomasse CO2
neutral betrieben werden.
Die Geräuschentwicklung
Auch der Stirlingmotor verursacht
Laufgeräusche. Die Lärmentwicklung ist jedoch geringer als beim Otto-
und Dieselmotor. Stirlingmotoren mit größerer Leistung und bei hohem
Arbeitsgasdruck sind aber auch nicht mehr leise. Das Lärmspektrum ist
aber weniger störend, weil keine klopfenden Anteile wie beim
Dieselmotor auftreten. Erforderliche Geräuschdämm-maßnahmen sind
deshalb einfacher durchzuführen.
Auf dem Markt sind verfügbar: Fa. Solo STM -Gas BHKW 2-9 kW el, 8-24 kW th
WhisperGen aus Neuseeland Betrieb mit Diesel/Heizöl, 0,8 kW el, DC und AC, 6 kW th.
Fotos und Beschreibungen von ausgeführten Anlagen finden Sie auf der neu erschienenen
CD-ROM „Der Stirlingmotor ST 05G, die Ringinformationen als Sammelausgabe . . . . . . . . .“.
Hier
ist mit Fotos auch beschrieben, wie der ST 05 G ohne die zur Zeit nicht
lieferbaren Gussteile als Schweißkonstruktion gebaut werden kann. Der
Prototyp wurde in dieser Bauweise erstellt.
Die von mir bisher vertriebenen Rohgussteile für den ST
05 G, sind nicht mehr lieferbar. Es wurden bisher 111 Sätze
ausgeliefert. Anstelle der Gussteile kann der Motor nun aus
CNC-Frästeilen aufgbaut werden, die über ve//ingenieure bezogen werden können.